Die Hexe von Tschengls

Sage aus dem Vinschgau, aufgezeichnet von Ignaz Vinzenz Zingerle. In Tschengls lebte vor langer Zeit eine weitum gefürchtete Hexe. War auch der Himmel glashell und kein kreuzergroßes Wölklein daran, so kam doch gewiss binnen mehreren Minuten ein schreckliches Ungewitter, wenn die Alte mit ihrem breitkrempigen Hut geschäftig dem Berg zueilte. Dann sah man sie oft auf einem Bock den Hagelwolken voranreiten oder in Gesellschaft von anderen ihres Gelichters die Wolken mit Ofengabeln vom Joch herausschieben. Läutete dann irgendeine hexenfeindliche Glocke, so hörte man ihr Zähneknirschen und Schelten; wenn aber der Mesner das Wetterläuten versäumte, so konnte man zwischen dem Klappern der Hagelsteine deutlich ihr schadenfrohes Gelächter vernehmen. Schmolzen die Schloßen, so fand man Haare von ihr darin eingefroren und Federchen, welche sie den armen Vögelein ausrupfte, um ihre Eisknäuel daraus zu machen.

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