Die Maulser Gräfin

Sage aus dem Wipptal, übertragen von Ignaz Vinzenz Zingerle. Bei Mauls stand vor langer Zeit die starke Veste Welfenstein, von der jetzt nur mehr wenige Mauern sichtbar sind. Als das mächtige Schloss noch mit seinen Türmen und Zinnen prangte, kam einmal an einem kalten Herbstabend ein alter Wanderer vor dasselbe. Lumpen bedeckten nur karg seine erstarrten Glieder, und müde und hungrig wankte er an seinem Stecken einher. Als er Welfenstein sah, strengte er seine letzten Kräfte an und erstieg mit viel Mühe die Anhöhe. Speise und Herberge erhoffend, klopfte er an das Schlosstor, das ihm endlich geöffnet wurde. Da erhielt er aber keine Labung, sondern der Torwart verwies ihn zur Gräfin. Der alte Mann schleppte sich nun durch die hohen Gänge zum Saale, wo die Gräfin im Kreise von Gästen an der Tafel saß. Hier beugte er sich vor der Schlossfrau und bat um Speise und Obdach. Als aber die Gräfin den alten Mann sah, ergrimmte sie und ließ ihn zur Tür hinausstoßen.

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