(mb) Simonetta Carbonaro auf dem SMG Forum 2009 über das Ende der marktschreierischen Spaßgesellschaft und echten Kundenwünschen.
„Warum ist Authentizität ein solcher Verkaufsschlager? Weil wir immer das, was uns fehlt, zum Thema machen“, so Carbonaro zum Auftakt über die Sehnsucht nach Authentizität auf dem SMG Forum 2009, der jährlich stattfindenden Hauptveranstaltung der Südtirol Marketing Gesellschaft (SMG). Die gebürtige Mailänderin ist Konsumpsychologin und eine Koryphäe in den Bereichen Marketing und Design und war erstmals live in Südtirol zu erleben. Carbonaro zeichnete zunächst das Bild einer Welt voller Simulationen und Kopien, die beim Kunden Verwirrung und Ratlosigkeit erzeugten, präsentierte aber auch Wege aus der Sackgasse: „Ausgangspunkt für unternehmerisches Handeln müssen die konkreten Kundenbedürfnisse sein und nicht symbolische Werte von Produkten oder künstlich erzeugte Trends und reines Lifestyle-Marketing.“ Kunden sind heute professionelle Konsumenten, die jene Produkte und Marken suchen, die ihr Vertrauen rechtfertigen: „Gefragt sind Produkte, die mit dem vertrauten Terroir verbunden sind, ohne auf bloße Nostalgie zu setzen. Design hat die Aufgabe die Werte-Inhalte ausdrücken und nicht etwas vorzugeben, das nicht ist“, so die Unternehmensberaterin und Dozentin.
Für Christoph Engl, Direktor der Südtirol Marketing Gesellschaft, sind das Echte und Ehrliche, sowie das „Sich selbst treu sein“ die zentralen Erfolgsfaktoren der Zukunft: „Authentizität und Regionalität werden von allen Langzeitstudien als die wichtigsten Sehnsuchtswelten der Europäer ausgewiesen. Wer so viel von beiden anzubieten hat, der muss darin seine Zukunft erkennen. Nicht nur landwirtschaftliche Produkte werden sich diesen Werten verschreiben müssen, wenn sie an der Preisfront im oberen Segment landen wollen; die gleichen Werte werden von Kunden zunehmend für Veranstaltungen, Wellness-Anwendungen und Architektur eingefordert,“ so Direktor Engl. Kunden hätten ein sehr gutes Gefühl dafür entwickelt, was zu einer Region passt und was nicht. Engl zeigte anhand der neuen Südtirol TV-Spots den von Südtirol eingeschlagenen Weg in der Kommunikation auf. Ziel der Spots, bei denen ausschließlich einheimische Darsteller zum Einsatz kommen, ist es, das einzigartige Lebensgefühl Südtirol zu vermitteln. Beim Spot, bei welchem die landwirtschaftlichen Produkte im Vordergrund stehen, geht es um die Sorgfalt, mit welcher die Südtiroler das Wissen um die Produkte an die nächste Generation weiter geben.
SMG-Präsident Reinhold Marsoner eröffnete das SMG Forum mit einer Präsentation der neuesten Südtirol-Bilder, Fotos, die Südtirol versinnbildlichen und sprach deutliche Worte in Sachen Angebotsentwicklung und Wertschöpfung: „Die reine Steigerung von Gästezahlen gibt keinen Aufschluss über die tatsächliche Wertschöpfung. Gute Qualität auf allen Ebenen muss sich die Kunden suchen, welche bereit sind, diese Qualität zu bezahlen“, so Marsoner. Südtirol habe das Potential zu einer Destination mit Markenstatus zu werden und unter die zehn begehrtesten Destinationen Europas kommen: “Die Gäste sollen am Ende sagen: Südtirol war seinen Preis wert!“
Rund 550 Gäste aus den Bereichen Tourismus und Produkt- und Dienstleistungssektor sowie von Agenturen, Unternehmensberatungen und zahlreiche Marketinginteressierte kamen in das Waltherhaus. Ziel des SMG Forums ist es, die Partner im Land über die Strategien des Destinationsmarketings zu informieren und sie zu motivieren, an einem Strang zu ziehen: Auf dass das Angebot Südtirols mit dem übereinstimmt, was an Botschaften potentielle Kunden und Gäste erreicht.
Kurzbiographie Simonetta Carbonaro ist Expertin für Konsumpsychologie und Markenführung sowie Dozentin für Humanistic Marketing an der Universität von Borås in Schweden. Als Mitbegründerin von REALISE berät sie internationale Unternehmen der Konsumgüterbranche.